Inseln im Schulalltag
Impressionen aus 15 Jahren Schulpastoral


ANGEDACHT

Ertragt einander in Liebe

Das neue Schuljahr hat begonnen. In diesem Jahr ist es aber für viele ein Schulstart mit Sorgen. Zu große Lerngruppen, mangelhafte Ausstattung oder fehlende Weiterbildung der Lehrer besonders im Digitalen werden allerorten bemängelt. Da es schon schwierig wird, die Hauptfächer unter Pandemiebedingungen zu unterrichten, hat das Fach Religion einen besonders schweren Stand.
Es scheint Vielen unwichtig und überflüssig, manchmal fällt der Religionsunterricht sogar ganz aus.
Die Väter und Mütter des Grundgesetzes wussten aber, warum sie das Fach Religion als wichtiges ordentliches Lehrfach sogar in Artikel 7 des Grundgesetzes nannten. Dieses Fach fordert das eigene Denken anders heraus, weil es sich höheren Werten verpflichtet weiß, als der Staatsräson oder dem Shareholder Value. Oft widerstanden gerade gläubige Menschen den Vereinnahmungsversuchen von diktatorischen Ideologien und bewahrten oder öffneten Wege für eine gute Zukunft.

Die Covid-19-Pandemie bringt in allen Bereichen der Gesellschaft Mängel an den Tag, die sich über viele Jahre eingeschlichen haben.
Jesus deckte Missstände seiner Zeit auf und passte sich aus guten Gründen der bestehenden Ordnung in Gesellschaft und Religion nicht einfach an. Er starb am Kreuz, weil er diese Missstände anprangerte und aufs Tapet brachte.
Die Probleme, die durch die Corona-Pandemie gegenwärtig deutlich werden, spalten unsere Gesellschaft. Gegensätzliche Meinungen über die Sinnhaftigkeit von Maßnahmen wie Maskenpflicht und Abstandsregeln treffen bis in die Familien hinein hart aufeinander.
Oft sind diese Standpunkte kaum noch zu vereinbaren und führen zu Blockade, Entzweiung und Streit.

Paulus nennt im Epheserbrief (4,2) Regeln, wie man auch in solchen angespannten Situationen im Gespräch bleibt. Sie sind die christliche Kernbotschaft für einen guten solidarischen Umgang miteinander und die Grundlage jeder guten Gesprächskultur auch in der Krise:
„Seid demütig, friedfertig und geduldig, ertragt einander in Liebe und bemüht euch, die Einheit des Geistes zu wahren durch den Frieden, der euch zusammenhält.“ — Amen

Stefan-Josef Schmitt
OStR i.K. i.R.



Gedanken zum dritten Wochenende in „Isolation“ (3.4.2020)

„Ferien - ja und ? “

Ihr Lieben!

Schon ein komisches Gefühl: seit drei Wochen sind wir alle zuhause und ab heute, Freitag, dem 3. April, gäbe es nach der dritten Schulstunde Osterferien!
So manch einer hatte sicherlich eine spannende Reise geplant oder wollte das bevorstehende Osterfest mit der Familie feiern - alles nix!!!
Jetzt sitzen wir mehr oder weniger einsam zuhause und müssen die kommende Woche irgendwie mit Inhalt füllen! Homeoffice geht ja immer - aber eigentlich haben zumindest wir Lehrer und die Schüler ja Ferien!

Für alle, die sich in der vielen „freien“ Zeit über kreative Ideen freuen, habe ich einen Vorschlag:
macht euch gemeinsam mit allen Christinnen und Christen auf den Weg nach Ostern!

Vielleicht habt ihr Lust, die kommende Woche, die Karwoche, einmal ganz besonders in eurem Zuhause sichtbar werden zu lassen.
Ihr wisst, dass das althochdeutsche Wort „kara“ ( = Sorge, Kummer) dieser letzten Woche im Leben Jesu ihren Namen gibt.
Ihr seid eingeladen, den Leidensweg Jesu mitzugehen.
Die Karwoche beginnt mit dem Palmsonntag, an dem Jesus bei seinem Einzug in Jerusalem wie ein König mit grünen Palmzweigen vom Volk bejubelt wurde. Wenig später führte sein Weg durch das Leid und den Tod am Kreuz (Karfreitag) zur Herrlichkeit der Auferstehung (Ostern).
Es ist ein Weg voller Höhen und Tiefen, voller Hoffnung und Angst, voller Jubel und Verachtung - ein Weg auf Leben und Tod!

Also:

Macht euch auf den Weg nach Ostern
und gestaltet einen Tisch passend zur Karwoche!

Wie geht das?

An einer geeigneten Stelle in der Wohnung wird für die Zeit der Kar- und Osterwoche ein Tisch (oder ein Stück Schrank-/Regalfläche) als „Ostertisch" vorbereitet. Zur Vorbereitung können folgende Gegenstände auf eine weiße Tischdecke gelegt werden:
Palmzweige bis Osterkerze
Von Palmsonntag an (5. April) kann der „Ostertisch" dann mit entsprechenden Zeichen und Symbolen der „Heiligen Woche" geschmückt werden. Sie erinnern uns an Jesus und seinen österlichen Weg durch Leiden und Tod zur Auferstehung:
Tägliches Ritual
Lade deine Familie an den oben genannten Tagen zu einem günstigen Zeitpunkt ein, zusammen zu kommen.
Bereitet den Tisch miteinander vor.
Du kannst jeweils den passenden Text aus der Bibel vorlesen und darüber mit deiner Familie sprechen.
    Palmsonntag: Markus 11, 1 - 11
    Gründonnerstag: Markus 14, 12 - 72
    Karfreitag: Markus 15, 1 - 47
    Karsamstag: Lukas 23,56 und Matthäus 27,62 - 66
    Ostern: Markus 16, 1 - 8, Matthäus 28, 1 - 10, Lukas 24, 1- 12
Betrachtet gemeinsam die Symbole bzw. genießt Brot und Wein/Traubensaft miteinander.
Schließt mit dem Vaterunser oder einem anderem Gebet ab.
(Ideen aus: www.familien-feiern-feste.net)

Vielleicht habt ihr ja Lust, von eurem Weg nach Ostern Fotos oder Videos zu machen, die wir nach den Ferien miteinander teilen können.

Ich wünsche uns allen viele gute Erfahrungen in den nächsten Tagen und
ein frohes und gesegnetes Osterfest 2020!

Karin Schmitt
3.4.2020



Gedanken zum zweiten Wochenende in „Isolation“ (27.3.2020)

Ihr Lieben!

Auch heute, nach nunmehr schon zwei Wochen Homeoffice, möchte ich Euch für das Wochenende die Website „Ein guter Tag hat 100 Punkte“ vorstellen. Im aktuellen Fastenkalender von Misereor habe ich dazu folgenden Artikel von Sara Schwarz gefunden:

Mein Ziel sind 100 Punkte

Vor einiger Zeit sah ich im Fernsehen einen Beitrag zum Thema Nachhaltigkeit. Eine Reporterin versuchte sich an der „100 Punkte Challenge“ mit Hilfe der Website „Ein guter Tag hat 100 Punkte“ (www.eingutertag.org). Hintergrund der Initiative ist die Idee, jedem eine einfach Richtlinie zu geben, sein eigenes Verhalten und den eigenen Konsum im Sinne des Klimaschutzes einzuordnen und anzupassen. Natürlich ist es trotzdem notwendig, entsprechende politische Weichenstellungen vorzunehmen und den Umwelt- und Klimaschutz strukturell anzugehen - aber jede/-r von uns kann ihren oder seinen persönlichen Teil beitragen.

Unser übermäßiger Ausstoß an CO2 führt zum Treibhauseffekt, der wiederum eine Erwärmung des Klimas zur Folge hat. Wenn jede/-r von uns ihren/seinen Ausstoß auf 2.500 Kilogramm CO2 pro Jahr reduziert, könnte die globale Erwärmung voraussichtlich unter 2 Grad Celsius gehalten werden - zurzeit verbraucht jede/-r von uns jedoch laut Umweltbundesamt durchschnittlich circa 12 Tonnen CO2 pro Jahr*. Um dieses Ziel zu erreichen, dürfte jede/-r Einzelne aber nicht mehr als 6,8 Kilogramm CO2 Pro Tag verbrauchen. Diese 6,8 Kilogramm entsprechen 100 Punkten. Ziel ist es also, täglich unter diesen 100 Punkten zu bleiben.

Es gibt einen Basiswert, durch den einige Eckdate im Rechner bereits vorgegeben sind: So hat man als Einwohner von Deutschland schon eien gewissen Grundwert an CO2, der - ob wir aktiv etwas tun oder nicht - bereits von uns verbraucht wird. Dazu gehören zum Beispiel Verwaltung und Behörden, aber auch Straßenbau. In Deutschland beträgt der Basiswert 29 Punkte pro Person und Tag. Bleiben noch 71 Punkte für den Rest meines Tages.

Ich stelle mich der Herausforderung. Das sollte doch zu machen sein, oder? Der Rechner teilt unseren Tag ein in: Mobilität, Strom, Wärme, Freizeit, Konsoum, Ernährung und natürlich den oben genannten Basiswert. Ich trage akribisch meinen Tag ein: Zum Frühstück gibt es Espresso mit Milch, Brot mit Butter, Käse un eine Tomate: 35,4 Punkte. Allein der Käse schlägt mit 18 Punkten zu Buche, eine Portion Butter mit 6 Punkten. Da kann ich sicherlich noch etwas verbessern. Käse und Butter sollte ich wohl zukünftig weniger essen.

Mit dem Bus geht es zur Arbeit: 5 Punkte. Mit dem Auto wären es insgesamt 27 Punkte gewesen. Die Berechnung setzt sich zusammen aus dem CO2-Wert für die Fahrt und einem Wert für das Auto selber. Allerdings fließt der Grundwert natürlich trotzdem in meine Berechnung mit ein - ich besitze ja ein Auto. In der Mittagspause geht es zum Italiener um die Ecke zum Mittagstisch: Nudeln mit Bolognese Sauce und Parmesan. Das sind 33 Punkte. Als Alternative überlege ich für den nächsten Tag, ein Brötchen mit Salami vom Bäcker: 11 Punkte. Und mehr: Obst, Gemüse, Salat.

Zwischendurch trage ich meinen allgemeinen Konsum ein: Handynutzung 0,4 Punkte (bei Nutzungsdauer 5 Jahre) und Kleidung. Bei der Kleidung ist vor allem vorteilhaft, dass ich Jeans, T-Shirt und Turnschuhe schon mehrere Jahre trage. Bei einer kurzen Nutzungsdauer sieht die Bilanz erheblich schlechter aus. So komme ich hier auf erfreulich geringe 0,5 Punkte. Abends gehe ich ins Fitnessstudio: 14 Punkte. Duschen: 3 Punkte. Danach gibt es gemischten Salat mit Hähnchen: 27,8 Punkte. Damit komme ich auf insgesamt 169 Punkte.

Was mich motiviert: Wenn ich auf Fleisch und Käse verzichtet und eine kleinere Portion Butter genommen hätte, wäre ich tatsächlich heute unter 100 Punkten geblieben. Wenn ich mir allerdings vorstelle, dass i den nächsten Tagen unter anderem Wäschewaschen auf dem Programm steht und ich bald auch in Urlaub fahren will, liegt noch ein weiter Weg vor mir!
Aber: Wir müssen etwas tun, jeder Tag zählt. Mein Ziel bleiben 100 Punkte. Also los!

* Ziel ist es laut Umweltbundesamt, den Verbrauch pro Person sogar auf 1 Tonne im Jahr zu reduzieren.


Also Ihr Lieben!

Vielleicht beginnt der eine oder andere von Euch ja genau jetzt damit, die Umwelt zu retten!

Besucht die Seite www.eingutertag.org und schaut Euch das Video zur Erklärung der Idee an. Stellt Euren Tag im Internet zusammen, errechnet Euer Tagesbudget und überlegt, wo es sich lohnt, Vorsätze zu fassen und etwas an Eurem Lebensstil zu ändern.

In diesem Sinne wünsche ich uns allen noch viele GUTE TAGE

Karin Schmitt



Gedanken zum ersten Wochenende in „Isolation“ (20.3.2020)

Ihr Lieben!

In den ersten Tagen war’s vielleicht noch toll: lange schlafen (na ja: so lange es die Eltern/Kinder zulassen), home office und vieles mehr!

Ich vermute mal, dass sich jetzt aber langsam eine gewisse Langeweile breitmacht. Nun ist auch noch jedes Fitnessstudio geschlossen, Partys wurden abgesagt und weder die Musikgruppe noch der Fußballverein dürfen Angebote machen - und Shoppen kann man auch nicht mehr!

Wir alle - die mehr oder weniger Alten, ihr Kinder und jungen Erwachsenen - stecken in der gleichen Situation: wir wissen nicht, wie schlimm es wird.

Wir wissen nicht, wie wir es aushalten, lange Zeit so viele soziale Kontakte im 2 Meter Abstand zu halten.

Wir alle sind mitten im Lauf abgebremst worden, treten auf der Stelle, bewegen uns im Kreis und sind ziemlich oft mit uns selbst allein!

Nehmen wir das als Chance!

Hier kommen einige Vorschläge zum Nachdenken - und vielleicht notiert der eine oder andere seine Ideen! So ergibt sich für diese Zeit ein kleines Tagebuch. Es ist schließlich eine historische Situation, von der wir alle noch unseren Kindern und (Ur-)Enkeln erzählen können.

  1. Was bedeutet „Zuhause Sein“?
  2. Was man tun kann
  3. Anders zusammenkommen

Pünktlich zum ersten Wochenende in „Isolation“ grüße ich alle unsere Schülerinnen und Schüler, ihre Eltern und Familien und alle, die an der Gustav-Heinemann-Schule arbeiten.

Uns allen wünsche ich Gottes reichen Segen besonders in dieser seltsamen Zeit!

Ich denke dabei an einen Gott, der sich zeigt in jedem einzelnen von uns - und der sichtbar und erfahrbar wird in der Form unseres Miteinanders, in der Liebe, mit der wir uns begegnen! Möge er unsere Schulgemeinschaft behüten und uns allen mit seiner Kraft und Zuversicht zur Seite stehen -

dann bleiben wir heil!


Eine gute Woche wünscht

Karin Schmitt